Die Geschichte von „Schloss Daschow“

(Auszüge/Schwerpunkt ab 1991 bis zur Zwangsräumung. Über weitere Geschehnisse bis heute und später wird auf www.schlossdaschow.de berichtet.)

1235

Slawen geben der Ansiedlung den Namen „Daschow“.

1300

Deutsche Einwanderer kommen (Bauern) und übernehmen den Namen.

17. Jh.

Besitzer des Gebäudes (später Schlossstrasse 5) und des Grundes sind die Familien von Penz, von Passow und von Pressentin.

1802

Das Gebäude (einstöckiger Fachwerkbau) geht als Erbe des verstorbenen von Pressentin an seine Tochter Wilhelmine Juliane Dorothea von Pressentin über, die 1797 den Hauptmann von Hartwig aus Schwerin  heiratete. Nach ihrem Ableben erbt ihr Sohn Wilhelm Ferdinand Carl (1799-1874) das Gut.

1900

Um 1900 wird das Gutshaus im Neorenaissance-Stil aufgestockt und insgesamt verändert. Es wird „Jagdschloss“ und „Herrenhaus“.

1924

Der Besitz von Heinrich von Hartwig geht über an Rudolf, Carl, Albert und Kurt von Hartwig.

1945

Die Familie von Hartwig wird gezwungen, ihren Besitz ohne Hab und Gut zu verlassen. Der älteste Sohn muss vor Ort bleiben, um die Ernte des Landgutes noch einzubringen. Dann muss auch er Daschow verlassen.

1945 – 1970

Das Schloss ist enteignet und dient als Unterkunft für Flüchtlinge (Jargon der DDR: „Umsiedler“), als Arzt-Praxis, Konsum-Verkaufsstelle und Gaststätte. Der Park wird in Kleingärten für die neuen Einwohner des Dorfes Daschow umgewandelt. Der landwirtschaftliche Grundbesitz wird auf die zu dieser Zeit neu gegründeten LPGs aufgeteilt.

1973

geht das Schloss über in den Besitz und die Verwaltung des Volkseigenen Betriebes/LPG  „Gut Karow“* (Besitzer bis 1945: Familie Schlutius). Von da an ist es Ferienheim und Gaststätte. In dieser Zeit wird der Park neu angelegt sowie auf Initiative des Försters der sumpfige Weg um den Daschower See mit natürlichen Baumaterialien wie Eichenpfählen begehbar gemacht.

(*Deshalb wird später das Anwesen nicht von der Treuhandanstalt gekauft, sondern von diesem Betrieb.)

1991

Nach der „Wende“ bietet die Berliner Treuhandanstalt dem Nürnberger Bildungsinstitut „bfe-Bildungspark“ das Objekt an. Auf dem Dachboden befinden sich über sechzig Behältnisse, die das eindringende Regenwasser auffangen sollen. Ansonsten ist der Zustand des Gebäudes wesentlich besser als der anderer „Herrenhäuser“. Der Vorstand Dr.Michael Beck kontaktiert die regionale Arbeitsverwaltung in

Schwerin, Parchim und Lübz (als Auftraggeber für die Förderung der Beruflichen Bildung), den damaligen Landrat (CDU), die Behörde in Lübz (später Amt Ture), den örtlichen Bürgermeister (PDS), den Propst der Kirche Kuppentin, den Buchhalter des Landgutes Karow, Nachbarn des Gebäudes und die Familie von Hartwig (ob sie selbst Interesse hat an einer Nutzung und Wiederinbesitznahme Ihres Familieneigentums). Da

Mecklenburg-Vorpommern sich für eine neue Tourismuswirtschaft vorbereitet, bot es sich an, dort eine erste Hotelfachschule für qualifiziertes Personal im Hotel-, Gaststätten- und Tourismusgewerbe, zu errichten. bfe/Dr.Beck verfügt über Erfahrungen mit eigenen Schulen in Nürnberg/Nordbayern, Gera/Thüringen und Leipzi/Sachsen.

Die Kontakte und Gespräche vor Ort waren allesamt positiv und von einem kooperativen Geist getragen. Ein extra gegründetes Konsortium von Dr.Michael Beck gestaltet dann die Planung und Finanzierung dieses „Jagdschlosses“  (offizielle Bezeichnung der Immobilie in der notariellen Verkaufsurkunde), welches von da an etwas allgemeiner „Schloss Daschow“ genannt wird.

1997

Das Gebäude ist von  Dr.Michael Beck und seinem Konsortium vollständig restauriert, technisch komplett neu ausgestattet und in allen Räumen vom Keller bis zum Dachboden neu eingerichtet. Mit der Bausubstanz wurde achtsam umgegangen, das sensibel ausgewählte Inventar kommt aus Mecklenburg-Vorpommern, Spanien und Österreich.

Die offene Optik der Innenarchitektur verbindet Außen und Innen. Ein besonderes Zeichen mecklenburgischer Handwerkskunst ist der restaurierte Kaminofen und der offene Kamin. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf 2,2 Mio Euro (einschließlich Kaufpreis und Fördermittel durch das Wirtschaftsministerium des Landes). Die Wiedereröffnung wird mit zahlreichen Gästen und den drei Chören der Region feierlich

begangen. Im Park wird ein Kirschbaum mit der Segnung des Propstes gepflanzt, eine Obstbaum-Allee wird angelegt, neue Straßenschilder weisen den Weg. Neben der Hotelfachschule (alle Ausbildungen der IHK zu Schwerin) fungiert das „Schloss Daschow“ als Erwachsenenbildungsstätte für Berufliche Fortbildung. Als mittelständisches Kreativ-Zentrum arbeitet es mit bei der Ansiedlung von Call-Centern in Parchim (bfe-Call-Center-Schule), der Rekrutierung und Berufsqualifizierung der Mitarbeiter (über 500 geplante Arbeitsplätze). Im Bereich Umweltschutz und Ökologie engagiert sich „Schloss Daschow“

im umliegenden Gelände des ehemaligen Landgutes und baut eine artgerechte Tierhaltung (Rinder-Zucht- und Ausbildungsbetrieb) auf. Sieben Jahre dauert es, die Böden aus der vorausgegangenen Intensivlandwirtschaft zu renaturieren. Es entstehen in Abhängigkeit der Saison bis zu zwanzig Arbeitsplätze.

2000

Wegen der über ein halbes Jahr verzögerten Zahlung der Kursgebühren von der Bundesanstalt für Arbeit in Höhe von ca. 1 Mio. DM meldet der

Bildungsträger bfe Insolvenz an. Damit fällt ein bedeutender Partner-Träger der Einrichtung weg. Die erfolglos reklamierten Außenstände werden dann fast komplett vom Insolvenzverwalter eingetrieben (AZ-Insolvenzgericht Nbg.).

2002     

Aus der Unternehmensgruppe bleibt einTeil (CERES GmbH) als möglicher Träger des Schlosses übrig. Die GmbH erklärt sich gegenüber

der Münchener/Wiesbadener Bank bereit, einen neuen Kreditvertrag gekoppelt an eine Kooperationsvereinbarung einzugehen. So löst sich die Immobilie „Schloss Daschow“ aus der Insolvenzmasse (weil der Insolvenzverwalter nicht mit sich verhandeln lässt, über den Weg der Versteigerung zugunsten der CERES GmbH (GF ist Dr.Michael Beck).

Die ehemalige Hofer/Nürnberger Hausbank, bei der bfe 15 Jahre Kunde war und bundesweit einen Jahresumsatz von bis zu fünf Millionen Euro im Jahr erwirtschaftet wurde, ist inzwischen in Auflösung („pleite“) und mit der Staatsanwaltschaft konfrontiert.

Das von Engagement und empathischem Geist beseelte Schloss Daschow mit seiner bewegten Geschichte ist doch wieder ein Ort der Ruhe und Begegnung geworden und steht bei vier der größten Hotelvermarktern als Drei-Sterne-Hotel***, seinem Restaurant mit feiner Regionalküche, dem Park und der Badestelle am Daschower See seinen Gästen zur Verfügung. Über 90% kommen aus dem gesamten Bundesgebiet; ca. 10 % des Umsatzes wird regional erwirtschaftet. Die neuen Bezeichnungen „Schloss Daschow“, „Landhotel Schloss Daschow“ werden bundesweit pro Jahr über 100-tausend mal in Katalogen gedruckt. Werbung wie ©„Das schönste Fleckchen Erde zwischen Hamburg und Berlin“, © „Die Ruhe selbst“, „einfach schön“ oder  ©„Die Schönheit der Mecklenburgischen Seenplatte genießen“ kommuniziert die Persönlichkeit dieses Anwesens. Zusätzlich ist das „Schloss Daschow“ nach wie vor Galerie für regionale Künstler, Stätte für kulturelle Veranstaltungen (bis zu acht pro Jahr/ ©“Kulturerleben in der Heimatregion“) und ein Ort der Begegnung (Tagungen, Seminare, Hochzeiten, Familientreffen, schöne Feste, etc.).Mit einem eigenen Freizeit-Führer  ©„Tipps und Trends“ werden die Gäste auf die für die Region eigenen Sehenswürdigkeiten und (sportlichen-) Naturerlebnis-Möglichkeiten aufmerksam gemacht („sanfter Tourismus“).

 

2005  

Die wieder gewonnene Existenz des Hauses ohne Bildungsträger mit neuer Hausbank in München und Dr.Michael Beck wird überraschend beendet durch den Verkauf des Kredites durch diese Bank an einen Hedgefond („Heuschrecke“). Nach der politischen Enteignung vor 60 Jahren droht dieses Mal eine finanztechnische „Enteignung“.

Auch die zweite Hausbank scheint in existentielle Nöte gekommen zu sein. Von der Bundesregierung erhält sie 1,5 Milliarden Euro finanzielle Unterstützung (Pressenotiz Süddeutsche Zeitung). Der endgültige Ausgang des Spekulationsgeschäftes ist offen. Der Betrieb geht weiter, außer dem gepachteten landwirtschaftlichen Teil. Der wird von der Treuhand Schwerin nach sieben Jahren Aufbauarbeit aufgelöst. Gegen den Entscheider dieser Maßnahme liegen laut Schweriner Volkszeitung 16 Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft vor.

Mit dem neuen Einschnitt droht auch der CERES GmbH die Insolvenz. Es gelingt mit der Freigabe des Objektes durch den Insolvenzverwalter ein zweites Mal es aus der Insolvenzmasse zu lösen. Es geht an den Liquidator der CERES Dr.Michael Beck, der es mit Pachtverträgen an seine GbR überträgt.

Die IHK zu Schwerin genehmigt dem neuen und alten Schloss-Betreiber Dr.Michael Beck die Teilnahme am „Runden Tisch“. Die KfW genehmigt den Einsatz eines sehr erfahrenen (Banken)Beraters. Der Hedgefond hat den Kredit bzw. die Immobilie inzwischen an eine Tochtergesellschaft durchgereicht. So müssen die Verhandlungen von Neuem beginnen.  Gespräche in Frankfurt/M und Berlin führen zu konkreten, mündlichen Ergebnissen über die preislichen-, gegenseitig akzeptierten Vorstellungen und damit einer zeitnahen Übernahme vom Finanzivestor.

Trotzdem betreibt eine andere Abteilung des Hedgefonds die Versteigerung. Über zwanzig interessierte Personen und Firmen befassen sich mit diesem Angebot und dem Schicksal „Schloss Daschow“ und erklären, dass sie sich unter den bekannten Umständen nicht an einer Versteigerung beteiligen werden. Dr. Michael Beck bietet selbst mit, wird aber von einem anonymen Bieter übertroffen. Ein Filmemacher veröffentlicht was sich zugetragen hat in der Serie von ARD/WDR „die story“. Dies wird einmal gesendet und dann mit einer einstweiligen Verfügung verhindert.  

Ein “Freundeskreis Schloss Daschow“ und Solidarität in der Region Mecklenburg und aus ganz Deutschland in moralischer-, sachlicher- und materieller Hinsicht helfen weiter ! Und es gibt eine starke Medienresonanz.

Ein „Solidarfond gegen Kreditverkäufe“ nach dem Vertrags-Konzept eines hessischen Rechtsprofessors wird gegründet, um Anwälte beauftragen zu können. Eine über 50 Seiten starke Klageschrift gegen den Hedgefond entsteht – nach verlorenem Prozess heute ein historisch-politisches Dokument in der Folge des von der Regierung erlassenen „Kreditmarktförderungsgesetzes“, welches die Kreditverkäufe als Massengeschäft in ganzen „Paketen“ möglich gemacht hat.

2008

Aufgrund der Pachtverträge (Teil der Versteigerungsmasse) kann der Betrieb ein weiteres Jahr aufrecht erhalten werden. Dennoch wollen die Ersteigerer  ohne jegliche rechtliche Basis eine fristlose Räumung mit Hilfe ihres Parchimer Anwalts und seines Gerichtsvollziehers bewirken. Der Gerichtsvollzieher muss unverrichteter Dinge das Grundstück verlassen. Dann versuchen sie es auf dem Klageweg und unterliegen beim Amtsgericht Parchim und beim Landgericht Schwerin.

Offiziell endet der Betrieb „Landhotel Schloss Daschow“ dann am 31.12. 2008 nach Auslaufen der Pachtverträge. Am 23.12. 2008 reist der letzte Gast – ein Stammgast - ab.

2009

Ohne Vorankündigung (ein Tag vor dem Termin erfolgt Faxmitteilung),

organisatorische Absprachen und sonst übliche, statthafte Modalitäten oder Umgangsformen bei der Übergabe einer Immobilie bewirken die Ersteigerer nur acht Tage nach dem Auslaufen der Pachtverträge die gewaltmässige Öffnung der Räume und die Zwangsräumung. Diese, vom Amtsgericht Parchim genehmigt,  findet tatsächlich statt in Abwesenheit irgendeines Ansprechpartners oder Verantwortlichen, der

ihnen die Räume hätte öffnen können. Hierbei kommen zahlreiche Wertgegenstände, Kunst, die installierte Telefonanlage und private Dinge, persönliche Notizen und offizielle Akten unaufgeklärt abhanden. Diese Dinge bleiben unauffindbar.  Eine spätere Rücksprache mit

dem Gerichtsvollzieher ist nicht möglich, er ist nicht mehr im Dienst (Dienstaufsichtsbeschwerden). Bis heute – von 2009 bis 2014 - wird über zwei nachfolgende Gerichtsvollzieherinnen, über die Kriminalpolizei, Staatsanwaltschaft und die Öffentlichkeit (SVZ, BILD) recherchiert, was bei der Räumung, von den Ersteigerern veranlasst und durchgeführt, tatsächlich passiert ist, denn offensichtlich gibt es kein amtlich vorgeschriebenes Protokoll darüber. Die verschwundenen Wertgegenstände sind nicht mehr aufgetaucht (Stand: April 2014). Die Immobilie wird von den Ersteigerern nicht selbst genutzt.

                  

Die Auseinandersetzungen gehen weiter.

An dieser Stelle  (www.schlossdaschow.de) wird über den Fortgang der Geschichte(n) und die aktuellen Ereignisse von  „Schloss Daschow“ informiert, sobald neue Erkenntnisse vorliegen.